Allgemeines Know-How

Rad fahren kann jeder! Und jeder sollte auch wissen, was er sich und seinem Rad zutrauen kann. Ich bin kein Fahrradtechnik-, Straßenbau- oder Tourismus-Experte, und schon gar kein Arzt oder Psychologe. Dennoch habe ich ein paar Erfahrungen gemacht, die wohl einem Radwanderer weiterhelfen könnten.

Allgemein würde ich nicht allzu viel im Voraus planen. Meistens läuft sowieso alles anders als erwartet. So weiß ich an den meisten Tagen nur so ungefähr, wo ich lang fahren und abends übernachten will.

Karten

Bei der Auswahl der Karten hat man immer das Dilemma, für welchen Maßstab man sich entscheiden soll. Wählt man den Maßstab zu groß, so könnten wichtige Angaben zur Orientierung fehlen. Wählt man den Maßstab zu klein, so braucht man sehr viele Karten, die man ja alle transportieren und bezahlen muss. Auf größeren Touren kommt man meistens mit dem Maßstab 1 : 300.000 aus. Eine solche Karte enthält in der Regel auch alle wichtigen Ortschaften. Gut sind hier die EUROCARTen des RV-Verlags. Allerdings haben diese Karten nicht allzu viele Höhenangaben. Für kleinere Touren durch Deutschland empfehlen sich die Radwanderkarten der Landesvermessungsämter (LVAs) im Maßstab 1 : 50.000.

Fährt man nicht gerade durchs Flachland, so sollte man darauf achten, dass die Karten Höhenangaben beinhalten, idealsterweise durch Höhenlinien wie bei den LVA-Karten. Auf fast allen Karten sind die Meereshöhen bei größeren Ortschaften und auf Bergkuppen eingetragen. Auch ohne Höhenangaben lassen sich jedoch Aussagen über Höhenunterschiede machen. So sind z.B. in unmittelbarer Nähe von Flüssen und Eisenbahnlinien keine großen Steigungen zu erwarten. Hat man dann doch einmal mit kleineren Steigungen zu kämpfen, so gibt es einen Geheimtip: In kleinen Talsenken sollte man versuchen stark zu beschleunigen, so dass man den Schwung ausnutzen kann, um halbwegs ohne Mühen auf den nächsten Hügel zu kommen. (wenn dies nicht gerade eine Ampel im Tal zunichte macht)

Ist eine Straße auf der Karte mit einer grünen Linie eingetragen, so muss sie nicht immer unbeschreiblich schön sein. Häufig sind Tourismus-Viertel mit vielen Restaurants und Hotels auf diese Weise gekennzeichnet. In den wenig bewaldeten Niederlanden können Straßen durch die schnödesten Wälder mit einer grünen Linie markiert sein.

In vielen Staaten, insbesondere in den Niederlanden, sind Radwanderwege beschildert. In Deutschland und Dänemark können diese aber auch durch unwegsames Gebiet führen oder erhebliche Umwege bereiten. Daher ist es besser, sich deren Verlauf vorher auf einer Karte zu betrachten.

Ein schöner Radwanderweg im Hochsauerland

Ein schöner Radwanderweg im Hochsauerland

Fallen

Fährt man auf größeren Straßen, so kann es passieren, dass diese plötzlich zu Kraftfahrstraßen mutieren, die man dann nicht mehr ohne einen großen Umweg umfahren kann. Leider geht aus den meisten Karten nicht eindeutig hervor, ob es sich um eine Kraftfahrstraße handelt.

Oft sind längere Tunnel für Räder gesperrt. Schlimmstenfalls ist man sogar im Tal gefangen. Auch hier geben die meisten handelsüblichen Karten keine Auskunft. Daher sollte man immer mit dem Schlimmsten rechnen.

Bei Campingplätzen, die durch privat aufgestellte Schilder ausgewiesen sind, sollte man extrem misstrauisch sein. Häufig sind diese viel weiter weg als angegeben. Die Straße dorthin wird immer schlechter. Am Schluss ist dann dort niemand anzutreffen, und alles ist verschlossen. Man kann wieder umkehren, dann ist es noch später, und man ist noch erschöpfter. Deshalb sollte man sich bei der Suche nach einem Campingplatz nur nach Karten, Campingführern und offiziellen Straßenschildern orientieren.

Alternativen

Ist man in Zeitnot oder hat man einen Speichenbruch, so muss man sich manchmal nach alternativen Fortbewegungsmitteln umsehen. Mit einem vollbepackten Rad findet man nur schwer Mitnahmegelegenheiten als Anhalter. So bleibt meist nur noch der Zug übrig. Deshalb ist es sehr wichtig, sich vor der Reise zu informieren, welche Hürden die Eisenbahngesellschaft des bereisten Landes Radfahrern in den Weg stellt. Ist es unmöglich, mit der Bahn zu fahren (siehe Spanien), so gibt es noch Reise-Gesellschaften, die das Rad mit dem Bus transportieren. Ansonsten befördert man das Rad eben mit dem eigenen Pkw. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine friedliche Symbiose zwischen Radfahrern und Autofahrern bestehen kann.

Rad im Golf

Rad im Golf

Radtransport im Flugzeug

Also, was eigentlich alle Fluggesellschaften verlangen, ist:

So sieht das dann aus:

Radtransport im Flugzeug

Und um das Ganze kommt dann noch ein Karton:

Radtransport im Flugzeug

Viele Fluggesellschaften verlangen, dass das Rad komplett verpackt wird. Das Fahrrad wird dann separat als Sperrgepäck (bulky baggage) aufgegeben. Glücklicherweise bin ich bislang noch nicht mit einer Fluggesellschaft geflogen, bei der ich das Vorderrad abnehmen und am Rahmen befestigen musste.

Für das restliche Gepäck ist bei manchen Fluggesellschaften ist eine One-Piece-Policy zu beachten. Wer also mehr als ein Gepäck-Stück hat, der zahlt drauf. Also tue ich meine fünf Fahrrad-Taschen in einen Sack aus Luftpolster-Folie und wickle diese mit Klebe-Band ein. So habe ich ein zwar völlig unhandliches, aber eben ein Gepäck-Stück.

Störfaktoren

Thema Steigungen: Steigungen sind meine Freude, denn im Gegensatz zum bösen Gegenwind wird man nach einer Steigung häufig mit einem Gefälle oder einer guten Aussicht belohnt.

Thema Lkws: Man sollte Lkws nicht immer nur als stinkende Risikofaktoren ansehen. Denkt man positiv, so bieten Lkws auch viele Vorteile für den Radwanderer. Fahren z.B. mehrere Lkws hintereinander dicht an einem vorbei, so erzeugen sie einen Sog, in dem man bei flacher Strecke leicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreichen kann. Außerdem bringen sie die leckeren Kekse in den Supermarkt, in dem man morgen einkauft.

Thema Hunde: Da ein Radwanderer eine vielleicht nicht ganz alltägliche Erscheinung ist, gewinnt dieser auch häufig die Aufmerksamkeit von Hunden. Fast täglich kommt es vor, dass einem ein Hund knurrend und bellend hinterher läuft. Bisher bin ich immer gut damit gefahren, langsam weiterzufahren, ohne den Hund zu beachten. Noch hat kein Hund zugebissen. Viele Hunde wollen eben doch nur spielen oder "machen nur einen Lauten" wie es mal eine Hundebesitzerin ausdrückte. Man braucht also keine Angst zu haben! Ist der Hund jedoch sehr groß, tja dann... könnte man vielleicht doch eine andere Route vorziehen?

Ernährung

Während der Fahrt sollte man keinen allzu vollen Magen haben. Daher nehme ich mittags nie eine ganze Mahlzeit zu mir und begnüge mich mit etwas Obst, Müsli-Riegeln und Milch aus der Fahrradflasche. Morgens und abends esse ich dafür umso mehr. Vor und während der Fahrt sollte man besonders an heißen Tagen viel Trinken. Morgens besorge ich mir oftmals 3l Mineralwasser, das ich in die Fahrradflaschen, in PET-Flaschen oder gar in meinen Ortlieb-Wasserbeutel umfülle.