Taiwan (臺灣 / RC)






Landschaft

Eigentlich wollte ich ja die als schöner geltende Ostküste runter fahren, doch die Wettervorhersage brachte meine Planung durcheinander. So blieb ich im Westen im Schutz der Berge und hatte während der gesamten Tour nach Süden keinen Niederschlag. Die Landschaft war schön, aber nicht unbedingt überwältigend. Meist war es diesig, und die Fernsicht war schlecht, so dass man die Berge im Osten nur erahnen konnte.

Für Taiwan habe ich dieses Kapitel mal so aufgeteilt:
> Norden (北)
> Westen (西)
> Süden (南)

Leute

Die Taiwaner sind viel unkomplizierter als ich dachte. Es wird sehr darauf geachtet, dass es zu keinem Gesichtsverlust kommt, und solche Situationen sind auch selten. Doch wie überall zeigt sich auch in Taiwan der wahre Charakter des Menschen im Straßenverkehr.

Viele Gesten bringen Respekt mit sich. So werden Geld und Dokumente meist mit beiden Händen überreicht. Man putzt sich nicht in aller Öffentlichkeit die Nase. Bei Erkältung trägt man eine Mundschutzmaske. Im Gegenzug darf man sich beim Essen über den Teller beugen und das Zeug in sich reinschaufeln.

Die Kommunikation ist durchaus ein Problem. Statt Englisch können die Taiwaner meist Mandarin-Chinesisch als erste Fremdsprache sprechen. Doch meine Chinesisch-Kenntnisse waren begrenzt. Hinzu kommt das Leben als Analphabet. Da kann schon mal die Klimaanlage die Temperatur auf Eisschrank-Niveau bringen, bevor ich mit Google Translate mühselig die Funktion der einzelnen Knöpfe rausbekomme.

Chinesen haben eine andere Einstellung zu Feuerwerken. So knallt es oftmals mitten in der Stadt am helllichten Tag.

Bedingungen

Land Slides Stop Crabs

Taiwans Straßen sind immer schön breit. Zusätzlich haben sie häufig eine Spur für Motorroller und Fahrräder, die natürlich oft zugeparkt wird. Als Radfahrer teile ich mir die Spur aber lieber mit Motorrollern als mit unaufmerksamen Fußgängern.

Spur für Motorroller und Fahrräder

Spur für Motorroller und Fahrräder

Eine Besonderheit sind die Linksabbieger-Felder für Motorroller und Fahrräder. Anstatt sich links einzuordnen, fährt man bei Grün rechts in ein Feld vor der Haltelinie der kreuzenden Straße und wartet dort vor den Geradeaus-Fahrern auf das dortige Grün.

Linksabbieger-Feld

Linksabbieger-Feld

Im Süden der Insel nehmen es die Leute dann mit den Ampeln nicht so genau. Daher sollte man lieber selber etwas besser aufpassen. Im dicht besiedelten Westen der Insel können die Ampeln den Rad-Touri ganz schön aufhalten. Viele Ampeln zählen die Sekunden runter. Das ist praktisch. So kann man bei Rot die Geschwindigkeit auf die kommende Grün-Phase justieren oder vor der Ampel noch Sachen erledigen. (etwas aus der Flasche trinken, aufs GPS gucken, ...)

Taifune und Erdbeben hinterlassen im ganzen Land Erdrutsche, die dann die Straßen unterbrechen können. Hier sind die fleißigen Taiwaner schnell zugange und basteln einen Notweg. Auch andere Schäden werden schnell behoben. Von dem starken Erdbeben im Januar und den drei starken Taifunen habe ich im November 2016 nichts mehr gesehen.

Sehr gut geklappt hat der Fahrrad-Transport mit der Bahn. Viele Bahn-Angestellte sprechen Englisch. Auf kurzen Strecken kann man das Rad selbst im Gepäck-Wagen mitnehmen. Auf langen Strecken bietet es sich an, das Rad zu verschicken. Dies geht jedoch nicht an jedem Bahnhof. Wenn ich alles richtig verstanden habe, geht es z.B. nicht in Kaohsiung (高雄 / Gāoxióng), aber in Fèngshān (鳳山) und in Fāngliáo (枋寮), und in Taipei nur an den Bahnhöfen von Wànhúa (萬華) und Sōngshān (松山).

Die Verpflegung ist gesichert! Überaus praktisch sind die weit verbreiteten Convenience Stores, in denen man jederzeit auch was Warmes essen kann. Günstiger sind die kleinen Geschäfte, die mit einer Licht-Installation auf sich aufmerksam machen, die blinkt wie ein Weihnachtsbaum.

Mein Mittagessen: Sushi-Box mit schön herbem Tee

Mein Mittagessen: Sushi-Box mit schön herbem Tee

Es gibt zahlreiche Camping-Plätze, die ich eigentlich intensiver nutzen wollte. Auf dem ersten Camping-Platz klopfte dann nach Mitternacht jemand die Heringe in den harten Boden. Ich beschwerte mich so höflich ich konnte auf Englisch. Daraufhin verneigte der Mann sich und klopfte nach einer kurzen Zeit weiter. Was sollte der arme Kerl auch machen? Möglicherweise hatte er zuvor lange im Stau gestanden. Jedenfalls war dies dann auch meine letzte Camping-Nacht, zumal es überall auf dem Weg Hotels gab. Die Hotelbetten können oft extrem hart sein. Somit war auch hier die Isomatte recht hilfreich. Manchmal waren die Betten auch einfach zu kurz, so dass ich quer in den Betten lag. (Ich bin auch nur 175 cm lang.)

Eine gute Option für die erste und letzte Nacht ist das Beginning Hostel in Dàyuán (大園) unweit des Flughafens. Sein netter Besitzer beherbergt Radler aus aller Welt und kann gute Ratschläge geben.

Das Mobilfunk-Netz ist bestens ausgebaut. Ich hatte mir am Flughafen gleich eine Daten-Flatrate für 30 Tage besorgt und konnte mir fortan die Fragen nach dem Wifi-Zugang sparen.

Die Taiwan-Seite des Radreise-Wikis hat mir bei der Planung sehr geholfen.

Höhenprofile & GPS-Tracks

Thilos Taiwan-Pack - Version 1
(enthält alle GPS-Tracks und Wegpunkte)
851 km GPX-Datei
Im Westen von Nord nach Süd (2016) 743 km 2D 3D-S 3D-E 3D-N 3D-W
Fo Guang Shan & Wu Shan Ding (2016) 65 km 2D 3D-S 3D-N
Sonne-Mond-See (2016) 24 km 2D 3D-S 3D-N
Um den Flughafen rum (2016) 19 km 2D 3D-S 3D-N

Sehr detailliert ist die www.openfietsmap.nl Die hat mir in Taiwan gute Dienste geleistet.